Die russischen Weltraumbürokraten legten nach Angaben der Agentur Itar-Tass folgenden Zeitplan fest: In der Nacht zum Freitag sollen die Triebwerke des angekoppelten Progress-Raumfrachters von etwa 01.33 bis 01.54 Uhr MEZ zum ersten Mal bremsen, von 03.02 bis 03.25 Uhr MEZ zum zweiten Mal. Den “Todesstoß” wollen die Techniker von 06.09 bis 06.32 Uhr MEZ versetzen, wenn die Station über der Sahara Richtung Kaukasus fliegt.
Hoch über Russland schweigen dann die Triebwerke. Im Segelflug passiert die Mir China und Japan in immer noch etwa 160 Kilometern Höhe. Nordöstlich von Australien tritt sie in 80 Kilometern Höhe in die Erdatmosphäre und beginnt zu verglühen. Als erstes werden die empfindlichen Sonnensegel abreißen, dann die außen angebrachten Instrumente. In 70 Kilometern Höhe wird die brennende Station zerbrechen. Bis zu 1500 Teile, von denen einzelne immer noch bis zu zwei Tonnen wiegen können, sollen in einem Feuerregen zwischen 07.30 und 08.00 Uhr MEZ zischend ins Wasser stürzen.
In dem etwa 3.000 Kilometer langen und 200 Kilometer breiten Zielgebiet sollte sich besser niemand aufhalten. “Selbstmörder” nannte der Rosawiakosmos-Chef Juri Koptew nach Presseberichten die Weltraumfans, die auf einem teuren Charterflug den Absturz aus der Nähe betrachten wollen. Denn völlig auszuschließen ist es nicht, dass Trümmer das Flugzeug treffen.
Hinterlassen wird die Mir Scharen trauernder Weltraumfans in Russland wie in anderen Teilen der Welt. “Man betrachtet die Station schnell als lebendiges Wesen”, schwärmte Kosmonaut Waleri Korsun am Dienstag in der Zeitung “Komsomolskaja Prawda” in Erinnerung an seine Zeit auf der Mir 1996/1997. “Und auch sie reagiert unterschiedlich auf das vernunftbegabte Protoplasma, also uns Menschen. Warum sonst verläuft bei einer Besatzung der Flug ganz glatt, die zweite hat Probleme und die dritte schrammt an einer Katastrophe vorbei?”




