von RALF BUTSCHER
Der 29. Januar 1886 gilt als der Geburtstag des Automobils. Denn an diesem Tag meldete Carl Benz das von ihm in seiner Werkstatt in Mannheim entwickelte „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ zum Patent an. Zu diesem Zeitpunkt waren andere schon deutlich weiter, denn es gibt noch eine zweite Geschichte von der Geburt des Automobils. Sie begann im schottischen Aberdeen, wo der Tüftler Robert Anderson 1832 den ersten „Elektrokarren“ baute. Das erste elektrisch betriebene Auto war ab 1881 auf der Straße – fünf Jahre vor dem Motorwagen von Carl Benz. Erfinder des dreirädrigen Vehikels war der Franzose Gustave Trouvé. Seinen Strom bezog das Gefährt aus einem Blei-Akku, der eine Reichweite von 15 Kilometern ermöglichte. Ab 1888 ließ der Maschinenfabrikant Andreas Flocken aus Coburg Elektroautomobile in größerer Zahl herstellen. Mit dem „Flocken Elektrowagen“ begann eine Blütezeit der Elektromobilität. So wurden 1912 in den USA 34.000 Elektrofahrzeuge gezählt – und damit deutlich mehr als Autos mit Benzinmotor.
Allerdings: Der Höhenflug endete bald wieder, denn die elektrisch betriebenen Fahrzeuge hatten einen Haken: die Batterie. Deren Reichweite war im Vergleich zu einer Tankfüllung Kraftstoff recht klein. Zusammen mit den damals günstigen Benzinpreisen ließ das den Verbrennungsmotor als Sieger aus dem Wettstreit der Antriebstechniken hervorgehen.
Neue Konkurrenz, altbekanntes Problem
Rund 100 Jahre später ist die Konkurrenz zwischen Verbrennungs- und Elektromotor wieder brandaktuell, angefacht durch den Wunsch, dem Klimawandel durch eine Verringerung des Ausstoßes von Kohlendioxid (CO2) zu begegnen – einem Treibhausgas, das beim Verbrennen fossiler Energieträger wie Benzin und Diesel in die Atmosphäre gelangt. Somit hat der Klimaschutz den elektrischen Antrieb, der beim Fahren keine Treibhausgase erzeugt, wieder en vogue gemacht. Hier schließt sich der Kreis zur einstigen Pionierzeit. Denn wieder ist die Batterie ein Hemmschuh für den Erfolg der Elektromobilität.
Elektrochemische Speicher, um ein großes, leistungsstarkes Fahrzeug mit genügend Strom zu versorgen, wiegen einige hundert Kilogramm, sind teuer und benötigen viel Energie für ihre Herstellung. Und: Trotz inzwischen verfügbaren Schnellladestationen dauert das Laden einer großen Elektroautobatterie deutlich länger als das Betanken eines Benzin- oder Dieselfahrzeugs. Hinzu kommt die Furcht vieler Autofahrer, dass eine Batteriefüllung nicht ausreicht, um ihren Wagen ans Ziel zu bringen.
Verbrennungsmotoren bevorzugt
Das spiegelt sich in den aktuellen Präferenzen der Autokäufer in Deutschland. Sie entscheiden sich bevorzugt für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Elektroautos dagegen sind wie in vielen anderen Ländern Europas keine Verkaufsschlager. In Deutschland belegten 2024 bei den neu zugelassenen Pkw solche mit Benzin-Verbrennungsmotor den Spitzenplatz: mit einem Anteil von gut 35 Prozent. Autos mit Dieselmotor kamen auf einen Anteil von 17 Prozent. Auch sie liegen damit deutlich vor den batterieelektrischen Fahrzeugen, auf die 13,5 der Neuzulassungen entfielen. Ihr Anteil ging im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 27 Prozent zurück. Gefragt sind hingegen zurzeit Autos mit Hybridantrieb.





