Britische und amerikanische Forscher haben ein Multifunktionsgerät zum Kochen, Kühlen und zur Stromerzeugung entwickelt. Das SCORE genannte Gerät wird mit Holz oder anderen lokal verfügbaren Biokraftstoffen betrieben und soll die Lebensbedingungen von Menschen in Entwicklungsländern verbessern. Der Apparat ist so konzipiert, dass er für die einfache Bevölkerung erschwinglich ist. Nach Angaben der Wissenschaftler um Projektleiter Paul Riley von der Universität von Nottingham soll SCORE in etwa fünf Jahren auf den Markt kommen.
Das Multifunktionsgerät arbeitet nach dem Prinzip der Thermoakustik. Dabei wird während der Verbrennung des Holzes eine Schwingung erzeugt und in mechanische Energie umgewandelt. Läuft der Prozess in umgekehrter Richtung ab, können die Schallwellen einem Körper Hitze entziehen und so für Kühlung sorgen. Motoren auf Basis der Thermoakustik kamen bisher eher in hoch spezialisierten Technologien zum Einsatz, etwa in Satelliten, Raumschiffen oder Militärfahrzeugen. Doch Thermoakustik-Geräte sind im Prinzip einfach aufgebaut und können auch für simplere Anwendungen preisgünstig hergestellt werden, betont Scott Backhaus, einer der Projektteilnehmer.
Die aktuelle Entwicklung besteht aus zwei Motoren, die durch die Schallwellen betrieben werden. Das brennende Holz erhitzt ein mit Gas gefülltes Rohr, das sich in einem kalten Bereich immer wieder abkühlt und dabei in Schwingung gerät wie Luft in einer Orgelpfeife. Mit dieser Bewegung lässt sich Strom erzeugen ? umgekehrt wie bei einem Lautsprecher, bei dem elektrischer Strom in Vibrationen umgewandelt wird. Der zweite Motor transportiert Hitze aus einer Kühleinheit, die mit dem kleinen Kocher verbunden ist. Der Ofen ist so weit von der Kühleinheit entfernt, dass die beiden Funktionen sich nicht gegenseitig stören.
Der Apparat benötigt keinen zusätzlichen Strom, sondern nur Holz als Brennmaterial. Deswegen eigne sich SCORE für den Einsatz in Entwicklungsländern, wo die Stromversorgung gerade in ländlichen Gebieten nur sehr unzureichend funktioniert und viele Menschen ohnehin mit Holz kochen, so die Forscher.
Das Ziel des Projektes ist es nicht, das Gerät technisch immer mehr weiterzuentwickeln. Vielmehr sei es notwendig, dass die lokalen Unternehmen das Gerät selbst herstellen können und es für die betreffenden Menschen erschwinglich ist. Die Wissenschaftler führen bereits Gespräche mit Regierungen einiger Entwicklungsländer über die Einführung in den Alltag der Bevölkerung.
Nature, Onlinedienst ddp/wissenschaft.de ? Claudia Hilbert





