Die Forscher untersuchten nun Mutationen und die Mutationshäufigkeit im Erbgut von Menschen aus Westafrika, Nordeuropa und Ostasien. Daraus können sie zum Beispiel ableiten, wann sich Bevölkerungsgruppen von gemeinsamen Vorfahren abspalteten und eigene Wege gingen. Das X-Chromosom muss sich in einem bestimmten Zeitraum sehr viel stärker genetisch verändert haben als die nicht-geschlechtsspezifischen Chromosomen, fanden die Forscher heraus. Sie konnten dieses Ereignis auf rund 60.000 Jahre vor heute zurückdatieren. Aus den Veränderungen auf dem X-Chromosom konnten die Forscher qualitativ auf das Verhältnis von Männern zu Frauen schließen. Ergebnis: Damals müssen unter den auswandernden Menschen viel mehr Männer als Frauen gewesen sein.
Später haben sich die Bevölkerungsanteile der beiden Geschlechter jedoch schnell wieder angeglichen, erklären die Forscher ? und zwar noch bevor sich die Wanderbewegung in Richtung Nordeuropa und Asien fortsetzte. Die Drift im X-Chromosom fanden die Forscher nur zwischen nordeuropäisch- und westafrikanischstämmigen sowie asiatischen und westafrikanischen Menschen, nicht aber zwischen Nordeuropäern und Asiaten. Zwar könnten auch andere Ursachen diese Gendrift erklären, doch halten die Forscher ihre Interpretation für die plausibelste: Aus Jäger-Sammler-Gesellschaften sind ähnliche geschlechtsspezifische Präferenzen für Wanderbewegungen bekannt, und auch in modernen Gesellschaften bilden häufig die Männer die Vorhut bei den Migrationsströmen.





