Es ist wohl weltweit das einzige Forschungsinstitut, an dem sich Wissenschaftler mit den Kreativen der Film- und Spieleindustrie die Klinke in die Hand geben: das Institute for Creative Technologies (ICT) in Los Angeles. Das vor den Toren Hollywoods ansässige Institut gehört offiziell zur University of Southern California und wurde 1999 mit Geldern des US-Verteidigungsministeriums gegründet. Daher ist es kaum verwunderlich, dass die meisten Projekte am ICT die Ausbildung künftiger US-Soldaten unterstützen. „1997 hatte eine Studie ergeben, dass die Unterhaltungsindustrie Computersimulationen verwendet, die den militärischen in vielen Punkten überlegen sind” , erklärt Sprecherin Orli Belman den Gründungszweck des ICT. Dieses Defizit holen nun die rund 100 Mitarbeiter langsam auf.
In den 30 verschiedenen Projekten geht es überwiegend um interaktive Lernprogramme, militärische Simulationen oder virtuelle Realitäten. Für deren Umsetzung steht dem ICT jährlich ein Budget von 25 Millionen Dollar zur Verfügung. „Wir entwickeln hier keine neuen Schießspiele”, sagt Belman. Sie betont, dass die meisten Projekte auf das Erlernen von Führungsqualitäten und Kommunikationsfähigkeit ausgerichtet sind, was sich kaum durch Bücher oder Vorträge vermitteln ließe. So lernen künftige Soldaten etwa beim „Virtual Leadership Project” in einer Simulation die kulturellen Gepflogenheiten ihres Einsatzgebietes kennen. Sie führen dabei etwa Verhandlungen mit dem Bürgermeister und zetteln virtuell Projekte an, wie den Bau von Trinkwasserleitungen. Ziel ist, dass die Einsatzkräfte später möglichst konfliktfrei mit der einheimischen Bevölkerung zusammenarbeiten.





