von MARKUS STREHLITZ
Das könnte ein Game-Changer für die Industrie sein“, meinte Robert Schmitt in einem Podcast des Vereins deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) zu 5G. Schmitt ist einer der Direktoren des Werkzeugmaschinenlabors WZL der RWTH Aachen und beschäftigt sich unter anderem mit der Digitalisierung der Produktion in der „smarten“ Fabrik. Anwendungen rund um das „Internet der Dinge“ ließen sich durch die nächste Mobilfunkgeneration auf neue Art und Weise realisieren, ist Schmitt überzeugt. Denn wenn in der industriellen Fertigung Geräte und Maschinen mit Intelligenz ausgestattet und miteinander vernetzt werden, sind die Eigenschaften von 5G besonders gefragt. Dann müssen große Datenraten blitzschnell und mit hoher Zuverlässigkeit übertragen werden. Einige Fertigungsunternehmen bemühen sich daher bereits, das Potenzial von 5G für sich zu erschließen.
Die neue Mobilfunkgeneration kann insbesondere beim Einsatz von mobilen Robotern ihre Stärken ausspielen. In 5G-Pilotprojekten bei Audi oder Osram befördern etwa fahrerlose Transportsysteme Material durch die Werkshallen. Damit sie sich dort sicher autonom bewegen können, brauchen sie ein Funknetz, das Navigieren ohne Verzögerungen ermöglicht. Kommt dabei die herkömmliche WLAN-Technik zum Einsatz, besteht die Gefahr, dass beim Wechsel von einer Funkzelle in die nächste die Verbindung abbricht und die Geräte stehen bleiben. 5G dagegen ermöglicht eine nahtlose Kommunikation. Die mobilen Roboter müssen dafür nur noch mit Sensoren ausgestattet werden, während die komplette Steuerung und Navigation auf eine Hardware ausgelagert wird, die sich in der Produktionsumgebung befindet.
Mehr Ausdauer
Welchen Vorteil ein solches Konzept bringt, erklärt Jens Lambrecht, Geschäftsführer von Gestalt Robotics, eines Startups, das Automatisierungslösungen entwickelt: Wenn kaum noch Berechnungen auf dem Fahrzeug selbst durchgeführt werden, weil dieses von einem dezentralen System gesteuert wird, lässt sich der Roboter länger nutzen, bevor sein Akku geladen werden muss. Die Betriebsdauer je Akkuladung verlängert sich um bis zu 20 Prozent.
Durch eine zentrale Steuerung wird die Automatisierung generell effizienter und flexibler. Schon die Inbetriebnahme der Roboter nimmt weniger Zeit in Anspruch, und eine veränderte Software lässt sich an einer Stelle ohne großen Aufwand austauschen. Auch die Flotten zu erweitern, ist auf einfache Weise möglich. Und es fällt dank 5G leichter, mit gemischten Flotten zu arbeiten, und selbst Roboter verschiedener Hersteller lassen sich zentral steuern.
Hindernisse umkurven
Die Kombination von 5G mit Künstlicher Intelligenz (KI) eröffnet noch viele weitere Möglichkeiten. Gestalt-Robotics-Chef Lambrecht berichtet von Projekten, bei denen mobile Roboter mit 3D-Kameras ausgestattet sind. Die Bilddaten werden dann außerhalb des Mobilfunknetzes mithilfe der KI ausgewertet.





