Mehr als ein Jahrhundert hatte sie im Dornröschenschlaf zugebracht. Bereits 1839 vom schottischen Physiker William Grove erfunden, kam die Stromgewinnung aus Brennstoffzellen 120 Jahre lang über den Status einer Labor-Kuriosität nicht hinaus. Die sechziger Jahre brachten zwar erste technische Anwendungen für Raumfahrt und Militär – für Marktnischen also, wo damals keiner nach Kosten fragte.
Im zivilen Bereich hingegen blieben die “Gasbatterien” als kapriziöse Luxusgeschöpfe ohne Chance: Korrosion und andere Werkstoffprobleme begrenzten Lebensdauer und Verläßlichkeit. Doch 1996 wurde zum Jahr der Brennstoffzelle – mit markanten technischen Meilensteinen auf gleich zwei Schauplätzen. Markante technische Meilensteine machten das Jahr der Brennstoffzelle aus – Fortschritt beim mobilen Einsatz: Im Mai stellte die Daimler-Benz AG eine mit Wasserstoff betriebene Großraumlimousine vor. Unter dem Bodenblech des “NeCar II” speist ein PEMFC-Aggregat (Pro- tonenleitende Membran-Brennstoffzelle) einen 50-Kilowatt-Elektromotor. Am beeindruckendsten: Gegenüber dem 1994 präsentierten Vorläufer wurde das Aggregat, bei gleicher Leistung, um den Faktor 5 verkleinert. Außer Wasserdampf gibt das Fahrzeug keine Emissionen ab. Im Oktober beeilte sich Toyota, mit einem in Japan entwickelten Fahrzeug mit 20-Kilowatt-PEMFC-Aggregat nachzuziehen. Aus dem Auspuff kommt nur noch Wasserdampf – Fortschritt auch beim stationären Einsatz: Im November 1996 stellte eine deutsch-dänische Arbeitsgemeinschaft unter Federführung der MTU Friedrichshafen GmbH ihr Brennstoffzellen-Kraftwerk “Hot Module” vor. Die Ingenieure schufen eine gegenüber bisherigen Anlagen radikal vereinfachte und dadurch kostensparende “Eintopf”-Konstruktion, mit zirka 270 Schmelzkarbonat-Brennstoffzellen und 300 Kilowatt Leistung je Baueinheit. Das Hot Module verdaut beliebige kohlenwasserstoffhaltige Brenngase: Erdgas, Kohlegas, Bio- und Deponiegas. Die “Eintopf-Konstruktion” war die Lösung Innerhalb von fünf Jahren will das Konsortium damit im Markt für Blockheizkraftwerke Fuß gefaßt haben, als Konkurrent für Gasmotor, Gasturbine und Dieselmotor. Bislang nur zu Liebhaberpreisen erhältlich, verspricht die Brennstoffzelle im Kraftwerksmarkt flügge zu werden. Bei beiden Meilensteinen stand die (Teil-)Lösung gewaltiger Werkstoffprobleme Pate. Erfreulich: Forschung und Entwicklung in Deutschland haben bei dieser Zukunftstechnologie zu den bislang führenden Nationen USA und Japan aufgeschlossen. Das bdw-Highlight 10/96″Das Ökokraftwerk” berichtet ausführlich über die Brennstoffzelle.





