Wohin mit dem CO2? Dies ist eine Kernfrage im technischen Klimaschutz. Denn um die CO2-Emissionen genügend zu senken, werden technische Methoden wie die Abscheidung und Speicherung von CO2 immer wichtiger. Bei diesem Carbon Capture and Storage (CCS) wird das Treibhausgas aus Abgasen oder der Luft extrahiert und dann langfristig eingelagert oder gebunden – beispielsweise in ausgedienten Gaskavernen oder in unterirdischen Erdöl- und Erdgasvorkommen.
Vorreiter einer solchen unterirdischen CO2-Speicherung war 1996 der norwegische Ölkonzern Statoil. Er trennte Kohlendioxid vom geförderten Erdgas ab und pumpte es in eine nach oben hin geologische abgedichtete Sandsteinformation unter dem Meeresgrund des Nordatlantiks. Seither haben auch andere Länder Projekte zu dieser Form des CCS begonnen.
Neuer Rekordwert
Wie sich die unterirdische CO2-Speicherung seit 1996 entwickelt hat und wie viel CO2 inzwischen weltweit in den Untergrund gepumpt wurde, haben nun Forschende des London Register of Subsurface CO₂ Storage für ihren aktuellen Jahresbericht ausgewertet. Das Team um Samuel Krevor vom Imperial College London erfasst in einem Register die jährlich gespeicherten CO₂-Mengen von weltweit in Betrieb befindlichen CCS-Projekten.
Das Ergebnis: „Die jährlich gemeldeten Speichermengen haben sich zwischen 2016 und 2024 mehr als verdoppelt“, berichtet Krevor. In diesen acht Jahren ist die Menge des weltweit im Untergrund gespeicherten CO2 von 21 Millionen auf 43,6 Millionen Tonnen gestiegen – das sei ein neuer Rekord. Für 2025 haben erst gut ein Drittel der Projekte ihre Zahlen gemeldet, diese liegen jedoch schon bei zusammen 36,2 Millionen Tonnen – die Jahresbilanz 2025 dürfte demnach noch höher liegen. Insgesamt wurden in den letzten 30 Jahren 421,7 Millionen Tonnen CO₂ unterirdisch gespeichert, wie die Auswertungen ergaben.

Akkumulierte Menge des weltweit jährlich mittels CCS im Untergrund gespeicherten CO2. — © The London Register of Subsurface CO₂ Storage
USA und Brasilien führend
„Unser jüngster Bericht zeigt, dass sich die geologische CO₂-Speicherung zu einem globalen Wirtschaftszweig entwickelt hat“, erklären die Forschenden. Inzwischen sind 70 CCS-Projekte in 17 Ländern auf sechs Kontinenten gemeldet. Den größten Anteil an der globalen CO2-Speicherung haben die USA und Brasilien. In den USA sind bislang 23 CCS-Projekte aktiv, die im Jahr 2024 zusammen gut 20 Millionen Tonnen CO2 im Untergrund eingelagert haben - fast die Hälfte der weltweiten Menge.
An zweiter Position folgt Brasilien, mit dem weltweit größten Einzelprojekt zur geologischen CO2-Speicherung. Der brasilianische Ölkonzern pumpt dafür abgeschiedenes CO2 in ein Erdölfeld im Santos-Becken - allein 2024 waren es 14,2 Millionen Tonnen. Kanada speicherte 2024 rund 2,5 Millionen Tonnen, China und Australien jeweils 1,7 Millionen Tonnen. In Europa hat Norwegen bei der geologischen CO2-Speicherung die Nase vorn. Auch in Island und Italien gibt es inzwischen erste, kleine Pilotprojekte.
Deutschland hätte neueren Untersuchungen zufolge ebenfalls Kapazitäten für eine unterirdische CO2-Speicherung. Demnach könnten Gesteinsformationen unter der Nordsee jährlich mindestens zehn Millionen Tonnen Kohlendioxid aufnehmen. Allerdings wäre diese CO2-Speicherung relativ teuer und auch CO2-Lecks wären nicht ausgeschlossen.
Weit von den nötigen Mengen entfernt
Insgesamt liegen die bisher in den Untergrund gepumpten CO2-Mengen weit unter dem, was für den Klimaschutz nötig wäre: „Um das im Pariser Klimaabkommen vereinbarte 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, müsste die geologische CO₂-Speicherung den Projektionen zufolge bis 2050 auf eine Milliarde Tonnen CO₂ oder mehr pro Jahr ausgeweitet werden“, berichtet Krevor. Um dies zu erreichen, müssten weit mehr CCS-Projekte initiiert werden – darunter auch solche, die das Kohlendioxid nicht nur aus Abgasen oder der Erdölförderung abscheiden, sondern es auch aktiv aus der Atmosphäre entfernen und einlagern.
Hinzu kommt: Rund 82,3 Prozent der 2024 gemeldeten CO2-Menge wurde im Rahmen der Erdölförderung in den Untergrund gepumpt. Diese Gasinjektion dient primär dazu, noch vorhandene Ölreste durch den erhöhten Druck auszutreiben und so die Ausbeute zu erhöhen. Oft wird dabei jedoch nicht mitgemeldet, wie viel von dem zuvor injizierten CO2 zusammen mit dem Erdöl wieder an die Oberfläche gelangt.
„Es bestehen dadurch Unsicherheiten hinsichtlich der Bedeutung der gemeldeten Werte bei solchen Projekten“, erklärt Krevor. „Je genauer wir jede Tonne CO₂ von der Injektion bis zur dauerhaften Speicherung nachverfolgen können, desto belastbarer wird die wissenschaftliche Grundlage, die wir bereitstellen können, während diese Technologie auf den Umfang anwächst, den die Klimaziele erfordern.“
Quelle: Imperial College London; Bericht: The London Register of Subsurface CO₂ Storage Annual Report 2026, doi:10.5281/zenodo.15147435





