Kunststoffgläser lassen sich künftig mit Stahlwolle putzen, ohne zu verkratzen. Möglich macht dies eine neue Beschichtung des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF), die empfindliche optische Linsen härtet und reflexfrei macht.
Die neuen Oberflächen sind ungewöhnlich hart, lichtdurchlässig und temperaturbeständig, sagt Ulrike Schulz vom IOF. “Das neue Beschichtungsverfahren ist zudem rationell: Bisher brauchte man zum Härten und Entspiegeln von Kunststofflinsen meist zwei Arbeitsgänge, wir kommen mit einem aus.” Die dünnen Entspiegelungsschichten werden bereits bei der Herstellung in der Plasma-Ionen-Kammer in die Hartschichten integriert. Die verschiedenen Materialien werden dazu mit einem Elektronenstrahl verdampft. Auf dem Substrat lagern sich im Wechsel dicke Glas- oder Polymerschichten und dünne Titanoxid- oder Tantalpentoxidschichten ab.
Die Forscher arbeiten dabei mit einem Trick: Die dünnen Schichten besitzen einen höheren Brechungsindex als dicke. Lichtstrahlen, die durch das beschichtete Glas fallen, werden an den Grenzflächen gebrochen. Bei richtigem Abstand löschen sich die reflektierten Lichtstrahlen durch Interferenz gegenseitig aus. Reflexfreie Beschichtungen entstehen. Laut IOF dringt auch mehr Licht durch die so beschichteten Linsen. Bei herkömmlichen Beschichtungen erhält der Kunststoff zumeist Lack als Härtungsschicht. Erst dann konnten harte, anorganische Oxide zur Entspiegelung aufgedampft werden.
Neben der Herstellung von Brillengläsern sehen die Forscher des IOF weitere Anwendungsmöglichkeiten für ihre kratzfeste Beschichtung. Sie könnte sich für Displays im Automobilbau sowie für robuste Kamera-, Endoskop- oder Mikroskop-Linsen eigenen, die viel Licht durchlassen.
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Almut Bruschke-Reimer





