Schon das viele Plastik unter der Motorhaube ist eine Barriere: Bis hierhin und nicht weiter, sagt die Abdeckung über dem Motorblock und zeigt dem Laien durch farblich markierte Deckel von Wisch-, Kühlwasser und Co., wo der Hersteller ihm noch Eigeninitiative zugedacht hat. Eine neuzeitliche Erfindung? Keineswegs, denn schon seit den Frühtagen des Autos, lange bevor es zu „Des Deutschen liebstem Kinde“ wurde, wollten Hersteller, das nur zwei Kategorien mit ihren Autos zu tun haben: Marken-Werkstätten und deren Teilehandel. Doch die Geschichte nahm dort, wo der Markt diktiert, einen anderen Verlauf – zum Wohle der Besitzer.
Es kann doch nicht jeder Dorfschmied…
Die Frühzeit des Automobils war von Provisorien bestimmt. Das zieht sich nicht nur durch die in den Anfangstagen bis in die 1920er durchaus „abenteuerliche“ Kraftstoffversorgung, sondern auch sämtlichen technischen Problemen, die entstehen können. Für Blech- und sonstige einfache Materialschäden war der nächste Dorfschmied zuständig. Und weil es in jenen Tagen auch bei den Einzelteilen keine Serienfertigung gab, musste wirklich alles, was sonst noch kaputtgehen konnte, in mühevoller Handarbeit nachgefertigt werden – ein Traum für die Hersteller, weil sie damit das absolute Ersatzteilmonopol besaßen.
Und ähnlich sah es auch bei den Ausführenden aus: die Zahl der Automechaniker war damals gering; die hochspezialisierten Profis waren allesamt Angestellte der Autofirmen und wurden im Schadensfall zu den Kunden in Marsch gesetzt. Eigentlich ein marktwirtschaftliches Traum-Szenario, jedoch eines, das „suizidgefährdet“ war.
Mehr Geld durch Masse
Denn spätestens als Pionier Henry Ford 1913 sein T-Modell erstmals am Fließband fertigen ließ, war es vorbei mit der durch die geringen Autozahlen ermöglichten Gemächlichkeit. Schon am Vorabend des ersten Weltkriegs gab es allein in Deutschland über 100.000 Autos – und sie wurden von Generation zu Generation immer komplexer.
Schnell herrschte deshalb eine paradoxe Situation: Das Auto selbst war zwar nun erschwinglicher (wenngleich auch meilenweit von seinem heutigen Status entfernt), aber wenn daran etwas kaputtging, gab es proportional dazu sehr wenige, die es reparieren konnten – die ersten deutschen Richtlinien zur Ausbildung (statt dem bisher praktizierten Anlernen) von Kfz-Mechanikern kamen erst 1909 heraus, als sich der noch heute bestehende Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe gründete. Und immer noch waren die Hersteller erste Anlaufstelle für Ersatzteile.





