Winzig ist gar kein Ausdruck: US-Chemiker haben einen elektrischen Motor entwickelt, der aus einem einzigen Molekül besteht. Angetrieben wird der Rekord-Winzling durch ein Rastertunnelmikroskop, das üblicherweise die Vorgänge von Untersuchungsobjekten auf atomarem Niveau sichtbar macht. Die Elektronen, die es dazu benutzt, dienten nun dem Molekül-Motor als Energiequelle. Er besteht aus einer Schwefelbasis, Wasserstoff- und Kohlenstoffatomen. Im Elektronen-Strom des Rastertunnelmikroskops können die Forscher die Kohlenstoffketten um die zentrale Schwefel-Kupfer-Verbindung rotieren lassen. Richtung und Drehgeschwindigkeit können sie dabei exakt beeinflussen. Bisher funktioniert der Motor allerdings nur bei extrem tiefen Temperaturen. Sobald dieses Problem beseitigt sei, könnten sich aus der Technik konkrete Anwendungen ergeben: Sensoren etwa oder medizinische Nano-Geräte. (Heather Tierne, Tufts University, Medford, et al.: Nature Nanotechnologie, doi:10.1038/nnano.2011.142)
Von Nanostrukturen zur Raumfahrtgeschichte: Die US-Raumfahrtbehörde NASA hat außergewöhnlich scharfe Aufnahmen von den Landeplätzen der bemannten Mondmissionen veröffentlicht. Die Fotos lassen genau erkennen, welche Pfade die Astronauten vor vier Jahrzehnten auf dem Mond beschritten und wohin sie mit ihren Mond-Mobilen fuhren. Die Sonde “Lunar Reconnaissance Orbiter” machte viele Aufnahmen aus einer relativ geringen Höhe von etwa 20 Kilometern. Verschwörungstheoretiker, die das gesamte Apollo-Programm der NASA für einen Betrug halten und meinen, es habe alles in einem TV-Studio stattgefunden, werden nun mit Spuren von ?Moonboots? konfrontiert. “Wir können die Schritte der Astronauten mit großer Klarheit nachvollziehen und sehen wo sie Mondproben genommen haben”, sagte der NASA-Geologe Noah Petro. (Mitteilung der NASA mit Bildern)
Als wäre es nicht schon tragisch genug: Wenn ein Baby tot zur Welt kommt oder in den ersten Lebensmonaten stirbt, steigt das Risiko der Eltern um das vierfache, in den folgenden zehn Jahren selbst zu sterben. Das zeigen die statistischen Auswertungen britischer Forscher. Wie es zu diesem Effekt kommt, konnten die Forscher nicht feststellen, weil die zugrundeliegenden Daten dazu keinen Aufschluss liefern. Die Wissenschaftler vermuten allerdings, dass Alkoholmissbrauch eine Rolle spielen könnte oder Betroffene sich häufiger das Leben nehmen als Eltern, deren Kinder leben. Eine weitere Erklärung wäre außerdem, dass Eltern, die eine Totgeburt oder den Tod ihres Babys im ersten Lebensjahr erleiden, selbst keine robuste Gesundheit besitzen. Als weitere Erklärungsmöglichkeit kommt noch ein Effekt in Frage: der eines gebrochenen Herzens. Es ist bereits bekannt, dass Stress und Trauer das Immunsystem negativ beeinflussen können und damit das Krankheitsrisiko für den Betroffenen erhöhen, sagen die Forscher. (Mairi Harper, University of York, et al.: BMJ Supportive & Palliative Care, doi:10.1136/bmjspcare-2011-000025)
Themawechsel: “Es liegt an den Genen” -diese Entschuldigung können nun Faulpelze mit einer wissenschaftliche Studie untermauern: Kanadische Forscher haben bei Mäusen einen Zusammenhang zwischen Genen und der Fähigkeit zu körperlicher Aktivität nachgewiesen. Durch Ausschalten zweier Erbanlagen konnten die Forscher von Natur aus bewegungshungrige Mäuse-Zuchtlinien in Stubenhocker verwandeln: Nager mit beiden Genen können kilometerweit rennen, Mäuse ohne diese Erbanlagen machen dagegen deutlich früher schlapp. Das selbe Prinzip gibt es vermutlich auch beim Menschen, sagen die Wissenschaftler um Gregory Steinberg von der McMaster-Universität. Offenbar macht also nicht nur mangelnde Disziplin manche Menschen zu ?Couch-Potatos? sondern auch ihre Veranlagung. Den Wissenschaftlern zufolge kontrollieren die betreffenden Gene die Bildung eines bestimmten Proteins, das wichtig für die Energieversorgung der Muskeln ist. Ohne dieses Enzym wird in den Muskeln schneller der Treibstoff knapp, deshalb fällt den betroffenen Mäusen körperliche Anstrengung schwerer als ihren energiegeladenen Kollegen. (Gregory Steinberg, McMaster-Universität et al.: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1105062108)
Träge zeigen sich die Küken einer afrikanischen Spechtart nicht gerade: Die Babys des sogenannten Honiganzeigers sind eifrige Killer. Als Brutparasiten, ähnlich dem Kuckuck, hacken sie den Nachwuchs der “Opfer-Familie” mit hakenförmigen Fortsätzen am Schnabel tot, um sie als Futterkonkurrenten auszuschalten. In Anlehnung an einen Film von Oliver Stone nennen die Forscher um Claire Spottiswoode von der Universität Cambridge die Küken “Natural Born Killers”. Der Honiganzeiger legt seine Eier in fremde Nester, um die aufwendige Aufzucht seines Nachwuchses anderen Vogelarten zu überlassen, vorzugsweise dem sogenannten Bienenfresser. Anders als der Kuckuck kann das Küken des Honiganzeigers die Eier oder Küken seiner Wirts-Familie nicht aus dem Nest werfen, denn der Bienenfresser legt unterirdische Nester an. Deshalb nutzen die Schmarotzer-Küken eine andere Strategie, wie die Infrarot-Aufnahmen der Biologen dokumentieren: Wenn die Honiganzeiger-Küken schlüpfen, besitzen ihre Schnäbel an den Spitzen scharfe Haken. Damit machen sie den Nahrungskonkurrenten mit brutalen Hackattacken den Gar aus. Wenn die Honiganzeiger das Nest verlassen, haben sich die mörderischen Haken am Schnabel zurückgebildet und nichts erinnert mehr an den rabiaten Start ins Leben. Die Natur kennt aber kein Erbarmen, sagen die Forscher. Sie nennen die Strategie des Honiganzeigers ein “Beispiel für hochgradige Spezialisierung”. (Claire Spottiswoode,Universität Cambridge, et al.: Biology Letters, doi:10.1098/rsbl.2011.0739)
wissenschaft.de – Martin Vieweg





