Für Fraunhofer-Entwickler ein Flop, für den Magdeburger Unternehmer Jochen Thumm (links) ein Erfolg: Laserpulse machen glatte Stein- und Glasflächen rutschfester.
OB FLUGHÄFEN, HOTELS, BANKEN oder Boutiquen – sie alle glänzen gerne mit Fußböden aus poliertem Granit oder anderen Natursteinen. Doch mit der schönen Optik kauft sich der Bauherr oder Betreiber oft ein Problem ein: Nässe und Schmutz lassen Menschen auf manchen glatten Steinflächen ausrutschen. Abhilfe versprach eine Methode, über die bild der wissenschaft vor zehn Jahren in einer Meldung berichtete (bild der wissenschaft 1/2001, „Kein Ausrutscher”): Forscher des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden hatten den Prototypen eines mobilen Gerätes entwickelt, das mit einem gepulsten Laserstrahl rund 10 000 winzige Löcher pro Sekunde in die Oberfläche der verlegten Natursteinplatten brennt. Die Mikro-Krater erhöhen die Reibung zwischen Schuhsohle und Fußboden und wirken bei Nässe zusätzlich wie Saugnäpfe.
„Wir haben den Prototypen unter anderem auf der Hannover Messe 2003 gezeigt und jahrelang nach Firmen gesucht, die das Gerät bauen und vermarkten. Aber bisher war das nicht von Erfolg gekrönt”, beklagt Ralf Jäckel. Der Pressesprecher des IWS betont, die mobile Technologie stehe nach wie vor zur Verfügung. Frühere Interessenten haben allerdings berichtet, das Gerät benötige zu viel Platz. In Gebäuden mit Säulen und Erkern schränke das den Einsatz ein, und die Behandlung von Treppenstufen – hier können Ausrutscher besonders gefährlich werden – sei schlicht unmöglich.
Zu denen, die schon früh ein Auge auf das Gerät geworfen haben, gehört Bernhard Bock, einer von zwei Geschäftsführern der Supergrip Deutschland GmbH im schleswig-holsteinischen Rellingen. Das Unternehmen verdient sein Geld seit Anfang der 1990er-Jahre mit der nachträglichen chemischen Anti-Rutsch-Behandlung von Fußböden und anderen Flächen. Warum Bock nicht zugegriffen hat, erklärt er so: „Die chemotechnische Behandlung vor Ort ist deutlich kostengünstiger als der Einsatz der mobilen Laseranlage.” Auch Jochen Thumm, Geschäftsführer der Magna Naturstein GmbH in Loitsche bei Magdeburg, sieht den wichtigsten Grund für den Fraunhofer-Flop in der mangelnden Wirtschaftlichkeit: „Die Maschine braucht pro Quadratmeter zu viel Zeit, um den Boden rutschfest zu machen.” Ein weiterer Nachteil: Um das gewünschte Ergebnis zu erzielen, müsse der Boden sehr eben verlegt sein.
Thumm ist unverdächtig, die Methode schlechtreden zu wollen. Denn seine Firma profitiert von der Fraunhofer-Technologie – allerdings nicht in mobilen Anlagen, sondern in stationären: Sie machen polierte Natursteine oder Feinsteinzeugplatten rutschsicher – und zwar direkt beim Hersteller, schon vor dem Verlegen. Die Steine büßen dabei nichts von ihrem Glanz ein. Das IWS besitzt das Patent auf das Verfahren, doch Magna Naturstein hat die weltweiten Vermarktungsrechte erworben und es „LaserGrip” getauft. Außerdem hat die Maschinenbaufirma des Vaters von Jochen Thumm im Auftrag von Magna Naturstein die stationären Geräte stetig weiterentwickelt.
„Inzwischen gibt es die vierte Generation von Anlagen. Sie verbrauchen weniger Energie als die ursprünglichen”, sagt Thumm. Modifizierte Geräte verhelfen sogar begehbarem Glas zu mehr Rutschfestigkeit. Über Natursteinböden mit LaserGrip-Oberfläche laufen die Besucher unter anderem in den Flughäfen Düsseldorf und Hamburg sowie in der Messe Köln. Auch wenn die mobilen Anlagen wohl gescheitert sind – für die Zukunft der stationären ist Thumm angesichts des Erreichten optimistisch: „LaserGrip profitiert vom Trend, ökologisch zu bauen und sich dies gegebenenfalls zertifizieren zu lassen. Denn das Verfahren kommt ohne belastende Chemikalien aus, und die Böden benötigen seltener eine Grundreinigung als geschliffene Flächen.” Frank Frick ■





