Zur Bestimmung unbekannter Arten werden heute teure Gen-Analysegeräte eher bewilligt als ein Mikroskop. Billiger und effektiver arbeitet ein Biologe mit geschultem Auge, meint Dr. Manfred Graßhoff (62), Sektionsleiter am Forschungsinstitut Senckenberg.
Verborgene Schätze – etwa für die Medizin – vermuten Wissenschaftler in den vielen noch unerforschten Tier- und Pflanzenarten der Erde. Um sie zu erschließen, braucht man aber keine teure Gen-Systematik, widersprach Korallenspezialist Graßhoff auf dem Kongreß “Biodiversität – Werte der Vielfalt” einem modernen Trend.
Um Chemikern und Pharmazeuten zuzuarbeiten, die nach nutzbaren Wirkstoffen etwa für Krebsmedikamente suchen, reiche es zunächst aus, die mit dem Auge erkennbaren Unterschiede verschiedener Pflanzen- oder Tierarten herausarbeiten. “Für solche Aufgaben brauchen wir Biologen, die gelernt haben, einen Mauersegler optisch von einer Schwalbe zu unterscheiden – und nicht erst durch das Streifenmuster des genetischen Fingerabdrucks.” Genau hier sieht Graßhoff große Probleme auf die Forschung zukommen: “Leider gibt es immer weniger solcher Experten.”
Manfred Graßhoff





