China hat ein enormes Potenzial für Windenergie und könnte bis 2030 einen großen Teil seines Bedarf an elektrischer Energie über Windkraftwerke decken. Das ist das Ergebnis einer Studie US-amerikanischer und chinesischer Forscher, die mögliche Szenarien für die Nutzung von Windenergie im bevölkerungsreichsten Land der Erde durchgerechnet haben. Der Schritt in eine von erneuerbaren Energien geprägten Energiewirtschaft sei für China ökonomisch durchaus zu schaffen, wenn die Politik rechtzeitig die Weichen stelle.
Derzeit wächst der Strombedarf in China jährlich um 10 Prozent. Rund 80 Prozent der elektrischen Energie werden aus Kohle erzeugt. Mit seiner im Eiltempo wachsenden Wirtschaft und seinem Bevölkerungsreichtum hat China beim Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid inzwischen alle westlichen Industrieländer überholt. Klimaforscher sehen diese Entwicklung mit Sorge, weisen jedoch auch darauf hin, dass das schnelle Wachstum Chinas auch eine Chance für die Nutzung von Windkraft und Solarenergie bedeuten könne.
Welches große Potenzial die Windkraft in China haben kann, schätzten nun die Forscher um McElroy anhand eines von der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa entwickelten Programms zur Verarbeitung von Wetterdaten ab. In die Auswertung floss außerdem die heutige regionale Verteilung von Energiebedarf und Energieerzeugung in dem Riesenstaat sowie die Entwicklung der Energiekosten ein. Selbst wenn nur die lohnendsten Standorte genutzt würden, könnte die Windkraft insgesamt das Siebenfache des heutigen Bedarfs an elektrischer Energie bereitstellen, errechneten die Wissenschaftler.
Für diesen Schritt in die verstärkte Nutzung von Windenergie sind freilich gewaltige Investitionen nötig: Um damit in den kommenden zwanzig Jahren den Kohlendioxidausstoß um 30 Prozent zu senken, müssten umgerechnet rund 900 Milliarden US-Dollar investiert werden, lautet die Abschätzung der Forscher. Verbunden wäre ein solcher Wandel nicht nur mit dem Bau von Windrädern, sondern mit einem Ausbau des Stromnetzes. Dies wäre eine große, doch von der chinesischen Wirtschaft tragbare Investition, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Studie. “In China gehen derzeit jede Woche mehrere neue Kohlekraftwerke ans Netz”, erklärt Studienleiter McElroy: “Wir wollen jedoch darauf hinweisen, dass auch ein anderer Weg möglich ist.”
Michael McElroy (Harvard-Universität in Cambridge) et al.: Science (Bd. 325, S. 1378). ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald





