Welche Wirkung soll eine Antidekubitusmatratze erzielen?
Bettlägerige, gelähmte oder bewusstlose Menschen können ihre Lage nicht mehr selbstständig verändern. Das Körpergewicht drückt dann stundenlang auf dieselben gefährdeten Körperstellen.
In der deutschen Langzeitpflege sind 2 bis 5 Prozent der Betreuten von einem Druckgeschwür betroffen. Ältere Schätzungen lagen deutlich höher, sie bezogen andere Gruppen und Zählweisen mit ein.
Genau an diesem Punkt setzt die Antidekubitusmatratze an. Die Matratze verteilt den Auflagedruck auf eine größere Fläche oder wechselt ihn in Intervallen. Zwei Bauprinzipien haben sich etabliert: Die reaktive Weichlagerung mit einem tiefem Einsinken und aktive Wechseldrucksysteme mit Luftkammern, die sich abwechselnd füllen und leeren.
Können Studien die positive Wirkung einer Antidekubitusmatratze belegen?
Die gründlichste Antwort liefert eine Cochrane-Gesamtschau von 2021, die 68 Studien zu druckverteilenden Liegesystemen auswertete. Bestätigt wird darin der Nutzen der Druckentlastung. Zugleich halten die Gutachter fest, dass sich die Bauarten untereinander bislang schwer vergleichen lassen.
Für die Praxis zählt vor allem der Vergleich einer Dekubitusmatratze mit einer gewöhnlichen Matratze. Und der fällt überaus klar aus.
Wechseldrucksysteme und reaktive Luftsysteme schnitten bei der Vorbeugung besser ab als einfache Schaumstoffoberflächen. Für den Wechseldruck spricht zudem ein günstiges Verhältnis von Kosten und Nutzen.
In Pflegeheimen senkten reaktive Luftsysteme das Risiko neuer Druckgeschwüre zum Teil stärker als Wechseldrucksysteme. Das Umfeld entscheidet also mit, welche Bauart am besten passt.
Am Prinzip der Druckentlastung hält die Wissenschaft damit fest. Die Wahl der Bauart bleibt eine Entscheidung für den einzelnen Menschen.
Worauf sollte beim Kauf einer Antidekubitusmatratze geachtet werden?
Der deutsche Expertenstandard zur Dekubitusprophylaxe legt sich auf keine Technologie fest. Das eine beste Modell gibt es demnach nicht, entscheidend ist die Passung zum einzelnen Menschen. Drei Kriterienfelder leiten die Auswahl:
Gefährdung: Die Höhe des Dekubitusrisikos und die bedrohte Körperregion geben die Richtung vor.
Körperliche Situation: Das Gewicht, die Beweglichkeit, die Wahrnehmung und die Kontrolle über die Blase und den Darm bestimmen die geeignete Bauart.
Komfort: Die Liegequalität muss für den Betroffenen und für die Pflegenden im Alltag optimal stimmen.
Für Angehörige, die eine Antidekubitusmatratze kaufen wollen, führt der Weg über die ärztliche Verordnung und eine individuelle Einschätzung. Das Hilfsmittelverzeichnis listet die Eignungsangaben der Hersteller und eine fachliche Beratung überträgt sie auf die konkrete Pflegesituation.
Ein Sanitätshaus beschafft das passende Modell, die gesetzliche Zuzahlung liegt zwischen fünf und zehn Euro. Einfache Weichlagerungsmodelle kosten in der Anschaffung deutlich weniger als Wechseldrucksysteme. Mit ärztlichem Rezept bleibt der Eigenanteil in beiden Fällen auf diesen Betrag begrenzt.
Wem hilft eine Antidekubitusmatratze am meisten?
Den größten Nutzen entfaltet die Druckentlastung dort, wo die Gefährdung am höchsten ist. Verordnet wird eine Antidekubitusmatratze bei einem bestehenden Druckgeschwür oder bei starker Bettlägerigkeit mit hohem Risiko.
Bei bettlägerigen und gelähmten Menschen begründet die fehlende Eigenbewegung zugleich die medizinische Notwendigkeit. Für sie gilt die Weichlagerungsmatratze von Beginn an als Standard, statt erste Hautschäden abzuwarten.
Der Einschätzung der Gefährdung folgt die Auswahl der Bauart, im Heim ebenso wie zu Hause. Wie zuverlässig eine Antidekubitusmatratze dann schützt, entscheidet sich im täglichen Umgang mit ihr.
Wie genau entfaltet eine Antidekubitusmatratze ihre Wirkung?
Regelmäßiges Umlagern bleibt die Grundlage der Vorbeugung. Eine Antidekubitusmatratze arbeitet in den Zeiträumen dazwischen weiter. Wechseldruckmodelle können die Abstände zwischen den Lagerungen verlängern und entlasten somit Pflegende wie Gepflegte.
Auf das Zubehör kommt es ebenfalls an. Wechseldrucksysteme entfalten ihren Effekt am besten ohne weiche Auflagen, zusätzliche Schichten dämpfen den Druckwechsel. Für die Hygiene kommen praktische Matratzenschoner in Betracht, sofern sie die Druckverteilung nicht verändern.
Bei der Weichlagerung verdient die Beweglichkeit Aufmerksamkeit. Wer noch eigene Bewegungen macht, spürt sie auf einer festeren Unterlage sehr viel deutlicher.
Für Menschen mit neurologischen Erkrankungen eignet sich deshalb häufig ein Wechseldrucksystem. Die Wahl zwischen Weichlagerung und Wechseldruck richtet sich bei ihnen nach der verbliebenen Eigenbewegung.
Wie viel Schutz bietet eine Antidekubitusmatratze gefährdeten Menschen?
Nach heutigem Kenntnisstand spricht vieles dafür, dass die druckentlastende Lagerung besser schützt als eine Standardversorgung ohne Hilfsmittel. Wie groß der Vorsprung ausfällt, hängt von der Gefährdung des Einzelnen, der gewählten Bauart und dem Pflegeumfeld ab.
Der Faktencheck fällt für die Gesundheit gefährdeter Menschen damit recht klar aus. Eine Antidekubitusmatratze ist ein tragender Baustein der Vorbeugung und spielt ihre Stärke im Zusammenspiel mit einer aufmerksamen Pflege aus.
Der Wert einer Antidekubitusmatratze bemisst sich nicht an der Technik allein, sondern an der sorgfältigen Auswahl für den einzelnen Menschen. Genau darin liegt die Antwort der Wissenschaft begründet. Die Antidekubitusmatratze wirkt also, wenn sie passt.





