Die Antarktis war nicht immer eisig und kalt: Während der Kreidezeit wuchsen in der Südpolarregion ausgedehnte, sumpfige Wälder, in denen Dinosaurier umherstapften und Urvögel durch das Geäst flatterten. Fossilfunde, aber auch Pflanzenreste und Pollen in antarktischen Bohrkernen belegen, dass es vor rund 90 Millionen Jahren selbst in Südpolnähe eine üppige Lebenswelt mit mildem, feuchtwarmem Klima gab.
Ein Bohrkern als Fenster in die antarktische Kreidezeit
Jetzt gibt es neue Erkenntnisse zu diesem antarktischen Urzeit-Lebensraum. Sie stammen aus einem Sedimentbohrkern, den das Forschungsschiff Polarstern vor der Küste der Westantarktis gewonnen hat. Als Ulrich Salzmann von der Northumbria University in Großbritannien und seine Kollegen die Bohrkernschichten aus der Zeit vor 95 bis 90 Millionen Jahren untersuchte, entdeckten sie eine drei Meter dicke Schicht aus kohlenstoffhaltigem Ton, über der eine etwa fünf Zentimeter dicke, verkohlte Braunkohleschicht lag.
Die in diesen Bohrkernschichten enthaltenen Pollen und Pflanzenreste stammten von verschiedenen Nadelbäumen und Farnen – typischen Pflanzen der südpolaren Regenwälder der Kreidezeit, wie die Forschenden erklären. Doch in der Braunkohleschicht änderte sich dies: Dort fanden Salzmann und seine Kollegen ungewöhnlich viele fossile Reste von Torfmoosen (Sphagnum). „Die Vegetation in dieser Region wandelte sich demnach von einem Koniferen-Sumpfwald zu einem Sphagnum-reichen Torfmoor“, berichtet das Team.
Antarktische Braunkohle zeugt von frühesten Torfmooren
Das Besondere daran: „Unser antarktischer Sedimentbohrkern liefert damit den ältesten Beleg eines kohlebildenden Torfmoores“, schreiben Salzmann und seine Kollegen. Zwar wurden schon früher einzelne Sphagnum-Sporen in etwa gleichalten Ablagerungen aus der späten Kreidezeit gefunden. „Eines der bisher frühesten bekannten Zeugnisse von kohlebildenden Torfmooren stammt jedoch aus dem frühen Eozän vor rund 55 Millionen Jahren“, so das Team. Diese am Nordrand des Harzes gefundene „Schöninger Braunkohle“ ist demnach 35 Millionen Jahre jünger als die Torfmoor-Relikte in der Antarktis.
Doch das ist noch nicht alles: In dem Sedimentbohrkern entdeckten die Forschenden auch immer wieder winzige Holzkohlestückchen. Sie tauchten schon in den älteren Schichten aus der späten Kreidezeit auf, häuften sich dann aber wiederholt in der rund 90 Millionen Jahre alten Braunkohleschicht. Nähere Analysen der Kohlepartikel und organischer Verbindungen ergaben, dass diese Kohle bei wiederholten Waldbränden entstanden sein muss.
Wie die antarktischen Brände entstanden
In den sumpfigen, von Torfmooren durchbrochenen Wäldern der Antarktis brachen demnach immer wieder Feuer aus – trotz des feuchtwarmen Treibhausklimas. Wie ist dies zu erklären? Eine mögliche Ursache solcher Brände wären Vulkanausbrüche, deren Lava selbst nasse Koniferenwälder und Torfmoose in Brand setzen kann. Die chemischen Analysen von Salzmann und seinem Team sprechen jedoch gegen solche vulkanischen Brände – die jetzt nachgewiesenen Feuer waren dafür nicht heiß genug. Zudem gab es im Umkreis von rund 400 Kilometern keine Eruptionen, wie das Team erklärt.
Wie aber kam es dann zu den Wald- und Torfbränden vor 90 Millionen Jahren? Salzmann und seine Kollegen vermuten, dass zwei Faktoren dafür eine Rolle spielten: Zum einen fiel der meiste Regen damals im Winter. „Dies verursachte in den Küstenmooren trockene, feueranfällige Bedingungen während des Sommers“, erklären sie. Zum anderen sorgte der in der späten Kreidezeit höhere Sauerstoffgehalt der Luft dafür, dass beispielsweise Blitzeinschläge leichter Feuer entzündeten.

Torfbrände kommen heute in der Arktis immer häufiger vor, hier ein Brand in der arktischen Tundra Alaskas. — © NASA/ Goddard Space Flight Center
Torfbrände gibt es auch heute wieder
Wie leicht sich Torfmoore entzünden können, zeigt sich heute in den arktischen Tundren Sibiriens und Alaskas: Immer häufiger kommt es dort zu ausgedehnten und über Monate schwelenden Torfbränden – auch weil diese Moore und ihre Vegetation durch den Klimawandel trockener werden. Der Blick zurück in die Kreidezeit zeigt nun, dass solche polaren Torfbrände in der Erdgeschichte kein neues Phänomen sind.
Quelle: Ulrich Salzmann (Northumbria University, Newcastle upon Tyne, UK) et al., Communications Earth & Environment, 2026; doi: 10.1038/s43247-026-03959-1





