Wie viel Strom bringt es wirklich?
Aber trotz der hohen Bedeutung dieses Standorts für die Gezeitenkraft weichen die Schätzungen, wie viel Strom sich dort tatsächlich gewinnen lässt, stark voneinander ab, wie die Forscher berichten: Während die schottische Regierung von bis zu 14 Gigawatt spricht, gehen andere von durchschnittlich nur rund einem Gigawatt aus. Ein Grund für diese Diskrepanzen ist nach Ansicht der Wissenschaftler, dass bisherige Berechnungen meist nur vereinfachte Modelle nutzten, die nicht die tatsächliche Topografie der Meerenge und des dortigen Meeresbodens berücksichtigten. Stattdessen wurde das Ganze wie ein einfacher Kanal betrachtet.
Adcock und seine Kollgen haben dies nun mit einem komplexeren Modell wiederholt. Dabei ermittelten sie, wie viel Strom erzeugt werden würde, wenn Turbinen in einer oder mehreren Reihen quer durch die Meerenge aufgestellt werden würden. Dabei berücksichtigten sie sowohl den Einfluss des Untergrunds auf die Gezeitenströmungen in verschiedenen Bereichen des Pentland Firth, als auch die Einbußen, welche die von den Turbinen erzeugten Turbulenzen auf die nachfolgenden Turbinen haben.
Die Auswertungen ergaben, dass ein Gezeitenkraftwerk am Pentland Firth maximal 1,9 Gigawatt Leistung erreichen kann – und damit weniger als in vielen bisherigen Schätzungen veranschlagt. Die Leistung würde aber immerhin ausreichen, um knapp die Hälfte des gesamten schottischen Strombedarfs zu decken. Das allerdings nur unter bestimmten Bedingungen, wie die Forscher betonen: “Dafür müssen die Turbinen einmal quer über den gesamten Pentland Firth aufgestellt werden und große Schwankungen in der Strömungsgeschwindigkeit aushalten”, so Adcock und seine Kollegen. Zudem müsse man dafür in Kauf nehmen, dass sich die Strömungsrate durch die Meerenge dadurch um bis zu einem Drittel verringere.
Bisherige Vergabestrategie ist kontraproduktiv
Und noch etwas ergaben die Modellrechnungen: Der Bau mehrerer kleiner, unabhängig voneinander geplanter Gezeitenkraftwerke in diesem Gebiet ist eher kontraproduktiv. Denn stelle man Turbinen nur auf einer kleinen Fläche auf, mache sich der Einfluss der Untergrundform stärker bemerkbar und könne zu Einbußen in der Leistung führen. Außerdem können sich die Turbinen gegenseitig stören: Kann beispielsweise eine einzige Reihe Turbinen im Pentland Firth rund ein Gigawatt Strom erzeugen, fällt die Leistung dieser Turbinenreihe auf nur noch 0,7 Gigawatt, wenn ein zweites Unternehmen zwei weitere Reihen dazubaut, rechnen Adcock und seine Kollegen vor. Zudem seien die Turbinen dann nicht auf die jeweils tatsächlich erforderliche Leistung hin ausgelegt und könnte daher schneller abgenutzt sein.





