Moderne Geldwäschebekämpfung muss daher komplexe Muster erkennen. Sie muss Vorgänge erfassen, die bewusst verteilt, verschleiert und beschleunigt werden. Die Europäische Union setzt mit AMLD6 und der neuen europäischen Aufsicht genau an dieser veränderten Risikolage an.
Warum Europa die Aufsicht neu ordnet
Die bisherige Geldwäschebekämpfung in Europa war stark national geprägt. Jeder Mitgliedstaat setzte europäische Richtlinien in nationales Recht um, entwickelte eigene Prüfverfahren und baute eigene Aufsichtsstrukturen auf. Da nationale Märkte unterschiedlich funktionieren, hatte das durchaus Vorteile. Allerdings erzeugte es auch Lücken, denn kriminelle Finanzströme halten sich nicht an Zuständigkeitsgrenzen.
Mit der Umsetzung der AMLD6 wird deshalb auf europäischer Ebene versucht, aus vielen Einzelantworten ein dichteres System zu formen. Das betrifft Risikoanalysen, interne Schulungen, Meldewege, technische Kontrollsysteme und die Frage, wie Organisationen verdächtige Muster überhaupt erkennen. Neue Regeln können aber nur wirksam sein, wenn sie in belastbare Routinen übersetzt werden.
Ein Regelwerk mit mehreren Ebenen
AMLD6 steht nicht für sich alleine, sondern die Richtlinie ist Teil eines größeren europäischen Geldwäschepakets, zu dem auch eine unmittelbar geltende Verordnung und die neue Geldwäscheaufsichtsbehörde AMLA gehören.
Während eine Richtlinie in nationales Recht übertragen werden muss, gilt eine Verordnung direkt und sorgt somit stärker für einheitliche Vorgaben. Durch das Geldwäschepaket verändert sich die Architektur der Regulierung. Frühere EU-Richtlinien ließen den Mitgliedstaaten mehr Spielraum, das neue Paket dagegen zieht bestimmte Grundregeln näher an die europäische Ebene. Nationale Behörden bleiben aber dennoch wichtig, etwa bei der konkreten Aufsicht, bei Sanktionen und bei der Zusammenarbeit mit den Financial Intelligence Units, also den nationalen Zentralstellen für Finanztransaktionsuntersuchungen. Es entsteht kein vollständig zentralisiertes System, sondern eher ein Verbund.
AMLA als institutioneller Einschnitt
Die neue europäische Aufsichtsbehörde AMLA ist vielleicht der sichtbarste Teil des Wandels. Ihre Aufgabe liegt nicht nur darin, zusätzliche Kontrolle auszuüben, sondern sie soll die Aufsicht koordinieren, Standards angleichen und besonders risikoreiche Akteure stärker in den Blick nehmen. Die EU reagiert damit auf ein bekanntes Problem: Ein grenzüberschreitender Finanzmarkt ist nur schwer zu überwachen, wenn die Aufsicht vor allem entlang nationaler Linien organisiert bleibt.




