Mit einem neuen Recycling-Verfahren will die Technische Universität Chemnitz das Entsorgungsproblem von Altreifen lösen. Bereits 1998 war es den Kunststofftechnikern um Günter Mennig gelungen, aus Altreifen einen brauchbaren Kunststoff zu entwickeln. Nun bringt die Universität gemeinsam mit sächsischen Firmen ein erprobtes Recycling-Verfahren auf den Markt.
In Afrika wird so mancher Autoreifen zu Schuhsohlen oder Gummilatschen recycelt. In Deutschland ist die Verwertung von ausgedienten Gummimaterialien hingegen ein großes Problem. So türmen sich jedes Jahr rund eine Million Tonnen mehr Gummiabfälle auf deutschen Deponien. Abgefahrene Autoreifen stellen dabei mit 600.000 Tonnen den Löwenanteil dar.
Bisher ließ sich vulkanisiertes Gummi nicht wiederverwerten. Die Chemnitzer Wissenschaftler entwickelten jedoch einen Verfahren, das aus Altreifenmehl und Polypropylen einen neuartigen Kunststoff erstellt. Das Produkt ist ein äußerst stabiler und formbarer Werkstoff, der zur Gruppe der Thermoplastischen Elastomere (TPE) gehört. “Im Vergleich zu handelsüblichem TPE, das aus Kautschuk und Kunststoff besteht, hat das neue Material zwei deutliche Vorteile: Es ist um zwei Drittel billiger und kann zudem immer wieder geschmolzen und umformt werden”, lobt Dr. Hannes Michael vom Institut für Kunststoffverarbeitungstechnik das Recyclingprodukt. Aufgrund der hohen Zugfestigkeit und des guten Dehnungsverhalten, sagt er dem Altgummi eine große Zukunft im Automobilbau voraus, denn hier werden schlag- und stoßbelastbare Bauteile benötigt.
Im Verbund mit Maschinenherstellern und Automobilzulieferern bringen die Wissenschaftler den neuen Kunststoff demnächst auf den Markt. Auf der Münchner Messe Materialica werden Musterautoteile wie Radkästen, Lüftergehäuse oder Kabelkanäle Anfang Oktober erstmals der deutschen Öffentlichkeit vorgeführt. Ab 2002 soll der neuartige Kunststoff dann in großen Mengen produziert werden.
Brigitte Kranz





