Als Desinfektionsmittel hat Alkohol in den letzten Monaten große Karriere gemacht. Als Rauschmittel schon viele Jahrtausende davor: Bier gilt als der beliebteste Trinkalkohol der Welt. Es ist seit Jahrtausenden unser Begleiter und wird von manchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sogar als möglicher Grund für die Sesshaftwerdung der Menschheit ins Treffen geführt. Es berauscht nicht nur – manche schwärmen sogar davon, Bier sei ein himmlischer Nektar, der so schmecke, als würde einem ein Engel auf die Zunge weinen. Andere halten entgegen, Gerstensaft führe vor allem zu Bierbäuchen.
Der Zustand, den man mit Ethanol herbeiführen kann, wird von vielen Menschen geschätzt und regelmäßig herbeigeführt. In ihrem Jahresbericht weist die ARA (Altstoff Recycling Austria AG) für 2020 aus, dass merkbar weniger Altpapier zur Wiederverwertung abgegeben worden ist, dafür aber deutlich mehr Altglas. Haben wir also während der sogenannten Lockdowns mehr Vergorenes getrunken, weshalb mehr Flaschen zu entsorgen waren?
Könnte man auf den ersten Blick mutmaßen. Allerdings waren Bars, Wirtschaften und Trinkhallen geschlossen. Und nur weil mehr Glas gesammelt worden ist, bedeutet es nicht, dass die Menschen mehr Spirituosen ins Homeoffice eingesourct haben als vor der Pandemie. Möglicherweise handelt es sich um korrespondierende Gefäße, und man muss den sonst auswärts genossenen Alkohol mit dem gegenrechnen, der in der Zeit zwangsläufig am Hauptwohnsitz gebechert worden ist. Gut möglich, dass die Menge insgesamt gleich geblieben ist, der gestandene Österreicher und seine bessere Hälfte aber intuitiv im Gefühl haben, wieviel Ethanol binnen Jahresfrist zu vertilgen ist.
Giftiger Schnaps
Leider ist Ethanol, also Trinkalkohol, nicht die einzige Ausprägung von Alkohol, die in unsere Reichweite gelangt. Beim Schnapsbrennen bekommt man beispielsweise im Vorlauf auch Methanol. Das klingt zwar ähnlich, ist aber deutlich unbekömmlicher. Führt man dem Körper irrtümlich Methanol zu, wird er in der Leber mithilfe von Enzymen zwar abgebaut, aber leider zu Formaldehyd und Ameisensäure. Beide Substanzen sind giftig und werden nur langsam über die Nieren ausgeschieden. Wenn sich davon zu viel im Körper anreichert, werden etliche Organe nachhaltig geschädigt, was allerlei Ungemach nach sich zieht, schlimmstenfalls zu Blindheit führen kann und noch schlimmstenfallser sogar zum Tod.
Aber was soll man tun, wenn man irrtümlich einen ordentlichen Schluck Methanol erwischt hat? Sofort im Krankenhaus den Magen auspumpen lassen? Ins Krankenhaus passt, aber nicht den Magen auspumpen lassen. Damit die Enzyme in der Leber nicht so schnell Ameisensäure und Formaldehyd herstellen, versucht man die Leber mit etwas anderem beschäftigt zu halten. Und womit? Mit einem Leberhaken? Nein. Man macht ihr quasi ein Lockangebot, und bietet den Enzymen eine Substanz an, die sie noch lieber mögen als Methanol, nämlich Ethanol. Dadurch sind sie eine Zeitlang weitgehend ausgelastet, und das Methanol wird nebenbei langsam in die Giftstoffe umgewandelt, sodass die Nieren ausreichend Zeit bekommen, Formaldehyd und Ameisensäure loszuwerden.





