Eine Motorhaube, die sich bei einer Kollision mit Fußgängern blitzschnell um zehn Zentimeter anhebt, soll schwere Kopfverletzungen verhindern. Das Heben des Blechs verschafft dem aufschlagenden Körper eine Knautschzone und hält ihn von den massiven, nicht verformbaren Metallteilen des Motors fern (Foto).
In dem Prototyp aus Schweden melden Sensoren in der Stoßstange eine Fußgängerkollision. Daraufhin füllen sich zwei stählerne “Blasebälge” und heben das hintere Ende der Motorhaube binnen 70 Millisekunden an. Bei einer typischen Fußgängerkollision bei Tempo 40 schlägt der Kopf rund 150 Millisekunden nach der ersten Berührung auf der Haube auf. Kopfverletzungen sind für den Großteil der Todesfälle bei Unfällen verantwortlich.
“Die Sensoren in der Stoßstange analysieren die Geschwindigkeit der Stoßstangenverformung, um den Unterschied zwischen einem menschlichen Bein und einem Straßenschild zu erkennen”, erklärt Yngve Håland, Forschungsdirektor des Stockholmer Unternehmens Autoliv und Professor an der Chalmers Technischen Universität in Göteborg. Größte Schwierigkeiten bei der Entwicklung machte das schnelle und effektive Anheben der Motorhaube. Mit Federn versehene Vorrichtungen, wie sie bereits 1985 entwickelt wurden, hatten sich als zu schwach erwiesen.
Der Prototyp zeigte in Sicherheitstests einen eindeutigen Effekt. Beim so genannten “Head Injury Criterion” (HIC), der an Crashtest-Dummies im simulierten Unfall das Risiko von lebensbedrohlichen Hirnverletzungen misst, bleibt die Kennziffer für das Autoliv-System unterhalb des geplanten Europa-weiten Grenzwerts. Hålands Team präsentierte ihre Entwicklung auf der Amsterdamer Konferenz “Enhanced Safety of Vehicles”.
“Auch erfordert unsere Lösung keine Veränderungen im Fahrzeugdesign, die beispielsweise den Kraftstoffverbrauch steigern könnten”, so der Forscher. Autoliv arbeitet inzwischen mit Autoherstellern zusammen und erwartet die ersten Serienfahrzeuge mit dem Schutzsystem bereits in rund vier Jahren.
Dörte Saße





