Sie sollte der Stolz der europäischen Polarforschung werden: ein Schiff, so groß und leistungsfähig, dass nur eine Vereinigung von zehn europäischen Ländern gemeinsam diese Aufgabe stemmen konnte. Die „Aurora Borealis” sollte ein knapp 200 Meter langer und 49 Meter breiter Forschungseisbrecher werden – bestens gerüstet, um auf sich allein gestellt in den Eiswüsten von Arktis und Antarktis zu forschen. Sie sollte mit 18 Kränen, einem Hubschrauberlandeplatz und einem 81 Meter hohen Bohrturm ausgestattet werden und Platz für 120 Forscher und Besatzungsmitglieder bieten. Für das Schiff sollte eigens ein Bohrturm entwickelt werden, der Bohrarbeiten in bis zu 5000 Meter Tiefe ermöglicht – und Schichten bis zu 1000 Meter unter dem Meeresboden erreichen kann.
Bei der ersten Planung 2005 rechneten die Konstrukteure mit Baukosten von 355 Millionen Euro, 2010 lagen die Schätzungen bei 650 bis 850 Millionen Euro. Wie und woher man dieses Geld bekommen sollte, war unklar. Daher empfahl der deutsche Wissenschaftsrat den Ausstieg aus dem Projekt und den Neubau eines anderen Schiffs: der „Polarstern II”. Ein offizieller Todesstoß für die Aurora Borealis steht zwar noch aus, doch das BMBF „verfolgt das Projekt derzeit nicht weiter”.
Neben den hohen Kosten sind auch Fortschritte in der Bohrtechnik ein Grund, warum die Forscher mit einem kleineren Schiff zufrieden wären. Ingenieure am MARUM in Bremen haben ein Meeresbodenbohrgerät (MeBO) entwickelt, das sich in handelsüblichen Containern transportieren und von jedem mittelgroßen Forschungsschiff auf den Meeresboden absetzen lässt (bild der wissenschaft 10/2011, „Vorstoß in die Todeszone”). Das MeBo kann rund 200 Meter tief in den Meeresboden vordringen – in bis zu 2000 Meter Wassertiefe. Das ist einfacher, flexibler und billiger. Und: Die Bohrtiefe von rund 200 Metern ist für die Grundlagenforschung eine spannende Region. Denn dort liegen die „ Klimaarchive” des Meeresbodens – und da gibt es reichlich Forschungsbedarf.





