Heilsame Wahrheiten
Studie legt nahe: Lügen schadet der geistigen und körperlichen Gesundheit
Ehrlichkeit hat neben der moralischen auch eine gesundheitliche Komponente, zeigt eine Untersuchung von US-Forschern: Wer die kleinen und großen Lügen im täglichen Leben reduziert, steigert seine körperliche und geistige Gesundheit. Darüber berichteten Anita Kelly von der University of Notre Dame in South Bend und ihre Kollegen auf der American Psychological Association Annual Convention in Orlando.
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An den Tests nahmen insgesamt 110 Freiwillige mit einem Durchschnittsalter von 31 Jahren teil. Die Wissenschaftler baten eine Hälfte der Teilnehmer, zehn Wochen lang auf große und kleine Lügen wenn irgend möglich zu verzichten. Sie sollten stattdessen die Wahrheit sagen oder Antworten verweigern beziehungsweise das Thema wechseln, um nicht lügen zu müssen. Die andere Hälfte der Probanden diente als Kontrollgruppe und erhielt keine Anweisungen, in Bezug auf das Lügen.
Lügendetektor fürs Lügen übers Lügen
Jede Woche erfassten die Forscher dann mittels Fragebögen den geistigen und körperlichen Gesundheitszustand beider Versuchsgruppen und auch den Grad an Zufriedenheit in der Partnerschaft. Die Teilnehmer sollten außerdem berichten, wie oft sie gelogen beziehungsweise geschwindelt hatten. Um diesbezüglich verlässliche Daten zu erhalten, beantworteten die Probanden die Fragen nach ihrer Wahrheitstreue, während sie an einen Lügendetektor angeschlossen waren. Lügen über die eigenen Lügen waren also zwecklos. Im Durchschnitt, zeigte der Test vor Beginn der Studie, sagen die US-Amerikaner 11 Mal in der Woche die Unwahrheit.
Die statistischen Auswertungen der Versuchsergebnisse nach der Studienzeit offenbarten unerwartet eindeutige Zusammenhänge, sagen Anita Kelly und ihre Kollegen: Probanden, die erfolgreich ehrlicher geworden waren, berichteten im Durchschnitt über mehr Lebenszufriedenheit und eine Steigerung der Qualität ihrer Partnerschaften. Aber nicht nur auf dieser persönlichen Ebene spiegelten sich die Effekte wider: Auch körperliche Beschwerden wie beispielsweise Kopfschmerzen verringerten sich bei den Probanden, die sowohl große als auch kleine Lügen im täglichen Leben reduzieren konnten.
Ehrlichkeit gehört zum Fundament einer Beziehung – das ist allgemein bekannt. Doch die Ergebnisse erweitern diese Weisheit nun um die Komponente des persönlichen Wohlbefindens jedes Einzelnen, betonen die Wissenschaftler. Sie vermuten, dass Stress, der beim Lügen entsteht, der Drahtzieher hinter den Effekten ist. Seine negativen Folgen auf die Psyche des Menschen, aber auch auf seinen körperlichen Gesundheitszustand sind bereits bekannt. Die Studie bietet diesbezüglich nun eine ermutigende Botschaft: „Viele Teilnehmer konnten die täglichen Lügen tatsächlich drastisch reduzieren und wurden dafür belohnt“, resümiert Studienleiterin Anita Kelly.
Beitrag auf der American Psychological Association Annual Convention in Orlando
© wissenschaft.de – Martin Vieweg

















