„Rot ist das neue Schwarz“
Der Nachthimmel über Berlin färbt sich zunehmend rot
Die Färbung des Nachthimmels über Großstädten wird sich drastisch verändern – so lautet die Prognose von Berliner Wissenschaftlern. Der Grund: der Wechsel der Lichtquellen für die Straßenbeleuchtung von Gasentladungslampen auf LEDs. Die Veränderung ist für das menschliche Auge aber nur in bewölkten Nächten sichtbar.
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„Zurzeit werden weltweit Gasentladungsröhren durch LED-Lampen ersetzt, wodurch sich die Helligkeit und das Lichtspektrum des Nachthimmels verändern“, erläutert Christopher Kyba von der Freien Universität Berlin. Um diese Veränderungen zu untersuchen, hat sich der Physiker mit anderen Wissenschaftlern zusammengetan und die Verfärbung des Himmels und die Lichtverschmutzung nachts am Berliner Himmel beobachtet. „Für das menschliche Auge ist diese Verfärbung nur in einer bewölkten Nacht sichtbar, deshalb haben wir stets eigens angefertigte Messgeräte verwendet“, sagt Kyba. Die Forschergruppe analysierte die Himmelsfarbe im Sommer des vergangenen Jahres.
Dabei zeigte sich, dass die Veränderung bereits im Gange ist. So erscheint in Berlin, wo sehr viele Lichtquellen die Straßen beleuchten, der Himmel sehr hell und rötlich gefärbt, weshalb die Autoren ihre Studie „Rot ist das neue Schwarz“ nannten. In der Hauptstadt sei konkret das rote Licht in einer bewölkten Nacht 18-mal heller als in einer unbewölkten, und auch das blaue Licht scheine 7-mal heller. Kyba geht davon aus, dass auch in anderen Großstädten der Himmel rötlicher erscheint. Das könne sowohl für Menschen als auch für Tiere zum Problem werden. Das zusätzliche Licht könne Räuber-Beute-Beziehungen, wie zum Beispiel die zwischen Eulen und Mäusen, beeinflussen, fürchten die Autoren der Studie. Denn heute seien bewölkte Nächte aus Sicht vieler Tiere vor allem in Ballungsgebieten bis zu tausendmal heller als bis vor ein paar Jahrzehnten. Aus diesem Grund sollten die weißen LED-Leuchten nicht direkt in den Himmel strahlen können – sie sollten also möglichst nicht aufwärts gerichtet werden, empfiehlt das Team. Zudem sollte das Licht einen möglichst geringen Strahlungsanteil im blauen Spektralbereich haben.
Gerade ist noch ein weiteres Projekt angelaufen, bei dem der Wissenschaftler mit Forschern aus 25 anderen Standorten in Kontakt steht, die die Helligkeit des Nachthimmels im Zusammenhang mit Wolken beobachten. Generell sei Berlin eine der dunkelsten Hauptstädte, sagt Kyba. London, New York oder ähnlich große Städte seien vom All aus betrachtet sehr viel lichtdurchfluteter. Das hat seine Vorteile: „In Berlin sieht man Hunderte von Sternen. Als ich acht Jahre lang in Philadelphia gewohnt habe, konnte ich nur zwei Mal das komplette Sternenbild „Großer Wagen“ am Himmel sehen. In Berlin kann man ihn ständig beobachten. In Philadelphia sieht man meist nur eine Handvoll Sterne“, schmunzelt Kyba.
Christopher Kyba (Freie Universität Berlin) et al.: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society; doi: 10.1111/j.1365-2966.2012.21559.x
© wissenschaft.de - Gesa Seidel



















